no concept Firmvorbereitung

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Nach 25 Jahren Berufserfahrung kann ich sagen, dass die wenigsten Firmbewerber am Ball bleiben und die Firmvorbereitung verschult ist, die Jugendlichen verhalten sich wie im Unterricht, die Mappen legen Themen und Methoden fest, selbst wenn Auswahl besteht, und das Bildungsbürgertum bildet die Messlatte, so dass junge Menschen aus der Hauptschule per se diskriminiert sind.
Das ist wie mit dem Sonntagsmessbesuch: wir haben zwar ein Sonntagsgebot, aber kaum 10% gehen hin und das wissen wir auch, darum fassen unsere Kirchen die Gemeindemitglieder auch nicht oder sie werden gar abgebaut - aber das ist schon wieder ein anderes Thema.
Wir versuchen es jetzt anders:
Zunächst einmal gab es keine Einladung zur Firmvorbereitung. Da bei uns jährlich gefirmt wird, ist das kein Verlust. Es entstand Unsicherheit (insbesondere bei den Erwachsenen und bei den Kollegen), aber den Jugendlichen war es erwartungsgemäß egal.
Einige Firmbewerber des kommenden Jahres haben sich zusammengefunden, um eine Einladung zu schreiben und das erste Treffen vorzubereiten. Sie wollen, das was geschieht. 5 junge Frauen. Ein Vorbereitungstreffen-Treffen gab es bereits.
wichtig: Die Jugendlichen werden ernst genommen. Das Sakrament der Firmung ist ein Sakrament der Entscheidung, bei der die Jugendlichen dem zustimmen, was einst ihre Eltern und Paten für sie beschlossen haben. Darum ist es wichtig, dass sie wirklich entscheiden und ihre Kirche kennen lernen.


Beim ersten Vorbereitungstreffen des Teams geht es lustig zu. Alle sind guter Dinge. Die Einladungen für die potentiellen Firmbewerber sollen persönlich sein, also werden die Namen jeweils über jede Einladung geschrieben. Das dauert. Jede Einladung wird von allen 4 im Team unterschrieben (nur von Eva und mir nicht, denn wir sind ja nur die Begleiterinnen). Das dauert und dauert. Irgendwann ruft die erste Mutter an. Lange Diskussionen am Handy wiederholen sich. Wann und wie kommst du nach Hause? Das ist nicht das Einzige, was das junge dynamische Team nicht im Auge hat.
Immerhin haben sie sich eine Art Protokoll aus Stichworten gemacht, in dem steht, was sie beim ersten Treffen alles machen wollen. Sie wollen erklären, dass es auf jeden ankommt und dass jeder selber entscheidet, ob er gefirmt wird. Sie wollen sagen, dass die Firmung die Vollendung der Taufe ist. Und sie wollen Projekte vorstellen (Menschen mit Behinderung, Bibelarbeit, Musik, Spiritualität ... ).
Merke: Mit Spaß und Engagement alleine wird es nicht gehen. Es muss viel organisiert werden.
Irgendwann ist die Spannkraft weg. Aber es müssen noch Termine gemacht werden. Jetzt geht s erst recht los. Durcheinander. Alles muss mindestens zweimal gesagt werden. Dann ruft auch noch ein Vater an.
Also muss die Gemeindereferentin (das bin ich) morgen im Büro die Umschläge fertig machen und kann hoffentlich mit dem Pastor klären, wer alles angeschrieben werden muss, denn die Listen aus dem Computer stimmen meist mit dem Wohl und Wehe vor Ort nicht überein.
Gebetet haben wir auch nicht.
Und irgendjemand muss Getränke besorgen.

Vor dem ersten Treffen der Firmbewerber wurden 85 Briefe verschickt. Rückmeldungen sind schwierig zu checken, weil das Gemeindebüro selten besetzt ist. Wie werden die eingeladenen Jugendlichen sich melden? Jemand aus dem Vorbereitungsteam hat auf facebook eine Gruppe "Firmung 2012" für das Voprbereitungsteam geschaltet, die von mir gesetzte Gruppe "Firmvorbereitung 2012" besteht bereits für alle. Die Jugendlichen fügen beiden Gruppen Leute hinzu.
Hin und wieder kommen Anfragen, ob auch Jugendliche kommen können, die entweder bereits gefirmt sind oder nicht angeschrieben wurden (beispielsweise weil sie zu jung sind).

Beim 1. Firmvorbereitungstreffen kommen über 50 Jugendliche, obwohl nur 20 angemeldet waren. Nun gut. Es sind auch einige dabei, die nicht angeschrieben wurden und einige Geschwisterkinder.
Das Vorbereitungsteam hat sich wacker geschlagen, war aber anschließend erschöpft: der Raum war natürlich zu klein und sie haben gemerkt, dass es ihnen an Vorbereitung fehlte. Für s nächste Mal gucken wir mal ein paar Methoden aus, damit man nicht die ganze Zeit frontal so ne Gruppe bespaßen muss.
Richtig anstrengend sind die Gleichgültigen, die nix sagen, aber immer miteinander tuscheln. Ein Geräuschpegel wie in der Schule. Das fällt dem Vorbereitungsteam auf.
Themen wurden gesammelt und alle sollten aufschreiben, wie sie Kontakt halten wollen (schriftlich, telefonisch, Plakat). 31 Jugendliche sind bereits der Firmvorbereitung2012-facebook-Gruppe hinzugefügt worden. Das Vorbereitungsteam ist um 2 Personen vergrößert worden, die ebenfalls Verantwortung übernehmen.
Die Erwachsenen waren nur zur Begrüßung und beim Vorstellen der Projekte (Spiritualität ... macht Eva) im Raum.
In der facebook-Gruppe tauschen die Jugendlichen sich nun bis zum nächsten Treffen aus. Erste Postings: der Musiklehrer des Gymnasiums soll die Gesangsgruppe übernehmen (war nur n Witz), es war insgesamt gut, aber zu voll.
Mir schwant, dass das Ganze immer noch zu bildungsbürgerlich ist und dass viele der "Gleichgültigen" einfach nur nicht mit dem Stil klar kommen. Wir erreichen die Hauptschüler nicht. Die öffnen sich auch nicht von selber. Das ist jetzt ein Fall für das Kompetenzteam.

Beim Vorbereitungstreffen für das zweite Firmvorbereitungstreffen herrscht Betroffenheit über das, was beim ersten Treffen nicht gut gelaufen ist: die Jugendlichen hatten ihre Rolle nicht ernst genommen. Nun arbeiteten sie für das zweite Treffen von Anfang an mit einem Zeitplan, mit Themen und mit Verantwortlichkeiten. Nach etwa einer Stunde ließ die Konzentration nach und das Gealber nahm überhand, aber da war schon genug in trockenen Tüchern:
  • die vorgeschlagenen Themen sollen mit der World-Café-Methode weiterbearbeitet werden, wobei jeder aus dem Team an einem der Tische sein wird
  • die Kontaktliste wurde aufgeteilt, so dass die Firmbewerber nach ihren Wünschen (Telefon, Post, E-Mail und facebook) kontaktiert werden
  • der Rahmen steht (Zeitplan, Verantwortlichkeiten, Ziele)
:-) Es wird am Ende eine Andacht geben, einige wollen den Jugendkatechismus lesen, der jetzt unter ihnen rund geht und das Ziel ist geklärt: die Jugendlichen sollen selbst mit und an ihrem Glauben arbeiten, damit sie nach der Firmung nicht einfach wieder weg sind, sondern zumindest Möglichkeiten kennen gelernt haben, wie sie mit der Kirche Kontakt halten können, worum es bei der Kirche geht und was Glauben bedeutet.

Es wir immer deutlicher, dass es ein Kompetenzteam gibt (Hauptamtliche) und ein Vorbereitungsteam, das zwar die Fäden in der Hand hat, aber nicht die Verantwortung. Die Gesprächsatmosphäre ist noch von schulischen Erfahrungen geprägt (die Gemeindereferentin ist mit ihren 50 Jahren nicht wirklich Teil der Gruppe), aber das Anliegen der Kompetenzgruppe, eine zeitgemäße Firmvorbereitung zu entwickeln, wird mit Wohlwollen wahrgenommen. Die Jugendlichen des Vorbereitungsteams sind begeistert (!) und engagiert und sie schaffen es, ihre eigenen Erwartungen und Bedenken zur Sprache zu bringen. Sie arbeiten ressourcenorientiert, ohne es zu wissen :-) . Wenn es dem Kompetenzteam gelingt, das Setting von "Schule" auf "Glaubensgemeinschaft" zu transferieren, werden sie mutiger und kreativer in ihren Planungen werden. Noch lassen sie sich von der Gefahr bremsen, dass ihre Kollegen sie nicht ernst nehmen könnten.

2. Firmvorbereitungstreffen
Bin überrascht: beinah alle, die beim ersten Treffen waren, sind wieder dabei oder haben sich abgemeldet. Das Vorbereitungsteam begrüßt ganz allein, obwohl sie Muffensausen haben. Die World-Café-Methode klappt nicht, weil das Vorbereitungsteam keine Stühle bereitstellt. Die Jugendlichen stehen um die Tische. Das ist nicht gut. Sitzen ist immer besser. Aber wir haben Musik. Das ist gut. An allen Tischen gibt es Ergebnisse, wenn auch keine sicheren und irgendwie ein bißchen unklar: Fußball- und Beachvolleyballturnier, Viedeoabend (Insider: Sarah war so mit ihrem Auftritt bei der Andacht beschäftigt, dass sie ihre Tischtapete nicht beschreiben konnte, ohne diesen witzigen Fehler zu machen; müsst es nicht vie de Dieu heißen?), Firmfahrt (weia, nicht gut vorbereitet, die Fahrt ins Kloster wird allerhöchsten für das Firmvorbereitungsteam stattfinden), Musikgruppe und neue Themen (sollen wir bei der Firmung alle das gleiche anziehen *giggl*), so wie Behindertenpastoral (Terminabsprache) und Glauben (das Böse und die Sünde, mein Gott und Walter).
Die Andacht ist freikirchlich, wahrscheinlich weil die Jugendlichen am Gebetskreis im Gymnasium teilnehmen, der von Freikirchlern verantwortet wird. Da haben wir noch Arbeit vor uns. A propos wir: eine ist aus dem Kompetenzteam ausgeschieden. Da waren es nur noch 2 + 1.

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