Donnerstag, 30. Mai 2013

Jetzt macht Fronleichnam wieder Spaß

öffentlich leben
Als ich ein Kind war, waren Fronleichnamsprozessionen Heimspiele, ziemlich langweilig, immer gleich und eingebürgert.
Heute lief ich zwischen Kirchenfremden, die aus Gründen dabei waren, die nicht mitsingen konnten und sich rücksichtslos im Gespräch befanden. Bei genauerem Hinsehen merkte man ihnen eine gewisse pubertierende Empfindlichkeit an. Am Straßenrand und hinter den Fensterscheiben wenige Gesichter. Nur eine Frau meckert rum, weil sie und ihre Familie nicht losfahren können. Eine Polizeiwanne fährt vor uns her, ein Polizist deckt den kleinen Zug von hinten. Aber am Straßenrand auch mitlaufende Kinder oder Menschen, die mal stehenbleiben und interessiert gucken.
Die Kommunionkinder hatten sich vorbereitet, Fähnchen gebastelt, und winkten nun fröhlich in die Gegend. Sie hatten per Flüsterpropaganda "Willy will 's wissen" geteilt, der Fronleichnam so nett entdeckt und entdeckend erklärt. Ein bisschen wie wir, wenn wir unsere Liebe zu diesem Fest neu buchstabieren.

Jetzt sind wir neu. Wir sind wie die türkische Gemeinde, die an ihrem Vereinsfest einen Umzug in bunten Gewändern durch den Ort macht.
Nur unsere Musik ist so abtörnend. Die Jugendblaskapelle spielt gut, aber die Texte ... . Vielleicht sollten wir mal was mit Trommeln machen und mit Klatschrhythmus und Blumen werfen. Mal überlegen.
Nach der Prozession gibt es Erbsensuppe (frisch gemacht aus der hauseigenen Gulaschkanone) und Waffeln. Die Männern trinken Bier. Die Jugendblaskapelle macht den Küchendienst. Das sind junge Erwachsene, die keine enge Bindung an ihre Gemeinde haben. Sie tauchen auf, wenn sie spielen.
Der WDR strahlte heute einen Beitrag über den eigenartigen Begriff Katholikenverfolgung aus.
So macht Fronleichnam wieder Spaß: wir tragen unseren Glauben in die Welt: heute in der Prozession, immer im Gebet, bald wieder überzeugend im Hier und Jetzt. Wie unser Papst grad mal sagte: triumphalistisch können wir nicht mehr sein, denn wir haben als Kirche Macht verloren. Das ist gut so. Jetzt gibt es wieder etwas, wofür wir kämpfen können, wofür wir den Kopf hinhalten, was uns was abverlangt.

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