Dienstag, 2. April 2013

Weltautismustag: liebe Presse, informier dich, bevor du den Begriff Autismus nutzt


Offener Brief zum Weltautismustag 2013
http://dasfotobus.wordpress.com/logo-autismus-und-medien/

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Wir sind Menschen

Es begann im Dezember mit der Berichterstattung über den Amoklauf in Newtown, die
dazu führte, dass viele Autisten laut wurden, um sich Gehör zu verschaffen. Seither taucht
„Autismus“ oder „autistisch sein“ immer wieder in einem völlig falschen Kontext auf.
In letzter Zeit nimmt es überhand, dass Politiker, Journalisten und Wirtschaftsbosse den
Begriff Autismus missbrauchen, ohne darüber nachzudenken, welches falsche Bild
dadurch von Autismus geprägt wird. Leider taucht der Begriff „autistisch“ meist im
negativen Kontext auf, was ein Bemühen vieler Menschen, Autismus in der Gesellschaft
bekannter zu machen, zunichte macht.

Betroffenen Menschen werden auf Grund solch schlecht recherchierter, diskriminierender
und unüberlegter Aussagen mehr Vorurteile entgegen gebracht und es werden ihnen
Eigenschaften zugesprochen, die mit dem, was Autismus ist, nichts mehr gemein haben.
Autisten sind Menschen mit ein paar besonderen Eigenschaften, die für die
Allgemeinheit eine Bereicherung darstellen können, sofern sich diese auf sie einlässt.
Autisten sind dabei so verschieden, wie Menschen eben verschieden sind. Sie haben
unterschiedliche Stärken, Schwächen, Begabungen und Interessen. Sie haben Gefühle,
lieben ihre Familien und ihre Freunde. Und sie möchten geachtet und respektiert sein wie
jeder andere Mensch auch.

Autisten leiden in der Regel nicht an ihrem Autismus, sondern an der Intoleranz und der
fehlenden Akzeptanz ihres Umfeldes. Ja, Autisten haben Gefühle, manchmal sogar
intensiver als andere. Sie können sie nur oft nicht ausdrücken. Manche Autisten zeigen ihr
Innenleben reduzierter als andere. Autisten fällt kognitive Empathie oft schwer, also das
reine Lesen der Gefühle anderer anhand nonverbaler Signale. Wenn sie jedoch wissen,
wie sich das Gegenüber fühlt, zum Beispiel, weil es klar formuliert wurde, ist emotionale
Empathie, also das Mitfühlen, meist kein Problem.

Zusammen kann es den Eindruck erwecken, dass Autisten weniger empathisch seien oder
nicht an ihren Mitmenschen interessiert. Aber das ist in den meisten Fällen so nicht richtig
und es verletzt Autisten oft gleichermaßen wie Nicht-Autisten, von einer Gesellschaft
ausgegrenzt zu werden.

Daher ist eine breite Aufklärung über Autismus wichtig.
Dazu gehört, dass man über uns in der Presse gut recherchiert berichtet und die
Begrifflichkeit korrekt anwendet.

Helfen Sie uns, über Autismus aufzuklären.

Unser Ziel ist es, dass wir miteinander reden statt übereinander.
Dass Psychiater, Psychologen, Kinderärzte, Therapeuten, Medienverantwortliche, Politiker
und viele andere Menschen, die mit Autisten arbeiten oder über sie „urteilen“, sich einmal
mit der Sichtweise der Autisten auseinandersetzen und davon profitieren.
Es wird Zeit, dass man endlich anfängt mit uns zu reden und nicht nur über uns.

Copyright by Protestaktion zum Weltautismustag gegen dieVerwendung des Wortes "Autismus" im Zusammenhang von Politik, Wirtschaft und Amokläufen

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