Dienstag, 27. November 2012

Wenn ein Mann hundert Schafe hat und eines läuft ihm davon, was wird er tun?

Das ist meine Leitfrage für mein Glaubenszeugnis ("Predigt").
Beim Schreiben der Predigt hat uns der Dozent geraten, dass wir vorher 4 Fragen beantworten:
1. Was ist mein Predigtziel?
2. Was hat das mit Gott zu tun?
3. Welche Einwände könnte der Zuhörer haben?
4. Was könnte helfen?

Die erste Frage zu beantworten war gar nicht so leicht. Die Bibelkommentare widersprechen sich in einer Tour, wenn es darum geht, festzumachen, was die Hauptaussage des Evangeliums ist.

  • Die Betonung bei Mt auf die Vorbildlichkeit des Suchens.
  • Es geht nicht so sehr um die Freude des Hirten, als viel mehr um den Kontrast zwischen dem Wert des einen Schafes, das gefunden wurde und den neunundneunzig die nicht in die Irre gingen.
  • Es geht nicht darum, warum das Schaf weg ist, dass es verführt wurde: Das ist nicht die Moral des Gleichnisses. Es geht um die Freude über das Finden des Verlorenen → Die Gemeinde soll diese geringen Leute nicht gering achten und meinen, an ihrem Verderben sei nichts gelegen, sondern umgekehrt sich gerade ihrer annehmen. 


     Eine wichtige Erkenntnis für mich ist, dass Jesus mit dem Gleichnis zwar den Lebenskontext der Menschen trifft, ihn aber auf überraschende Weise verändert. Er "sucht" dem verirrten Schaf nach, anstatt sich zu freuen, dass er noch neunundneunzig Schafe hat. Er legt sich nicht auf die faule Haut. Wobei eigentlich ist es ja gar nicht klar, ob er es suchen geht. Es heißt später dann nur, dass er sich freuen würde, wenn er es wieder gefunden hat.

    Als besonders schwierig stellt sich für mich die Aufgabe dar, einen aktuellen Bezug herzustellen, ohne mahnend und belehrend zu wirken. Wie macht man das?


    Heute in der Vorlesung über die Konstution der Psalmen im AT gab es eine lustige Begebenheit.
    Die Dozentin legt großen Wert darauf, dass wir Leitfelder erkennen und diese einzuordnen wissen. Also müssen wir einige Psalmen in mindestens drei unterschiedlichen Farben markieren.

    Heute war unter anderem Psalm 1 dabei:

    1 Selig der Mann, der nicht folgt dem Rat der Gottlosen, den Weg der Sünder nicht betritt und nicht im Kreis der Spötter sitzt,
    2 sondern seine Lust hat am Gesetz des HERRN und über sein Gesetz sinnt Tag und Nacht!
    3 Er ist wie ein Baum, gepflanzt an Wasserbächen, der seine Frucht bringt zu seiner Zeit, und dessen Laub nicht verwelkt; alles was er tut, gelingt ihm.
    4 Nicht so die Gottlosen; sondern sie sind wie Spreu, die der Wind verweht.
    5 Darum bestehen Gottlose nicht im Gericht, noch Sünder in der Gemeinde der Gerechten.
    6 Denn der HERR kennt den Weg der Gerechten; aber der Gottlosen Weg vergeht.

     (so ähnlich hat es bei mir ausgesehen)
    Die Dozentin geht während der Bearbeitung der Aufgabe herum und mustert mein Arbeitsblatt.
    "Das Selbe hab' ich auch grün gemacht. Super!", kommentiert sie.
    Als Einleitungsfrage in die Runde sagt sie: "Und welche Stichwörter haben Sie grün markiert?"
        - "Die Gottlosen!"

     

Kommentare:

  1. ah, das gefällt mir gut, dass du grad über das Gleichnis mit dem verlorenen Schaf bepredigst, für das Jesus 99 Schafe stehen lässt. Mir gefällt daran, dass es so widersinnig ist. Kein Hirte würde das tun. Andererseits kann einen grade das, was einem fehlt, wahnsinnig machen. Es torpediert alle vernünftigen Gedankengänge. "Wo hab ich nur ... ?" Und wen Jesus bis zum allerletzten Schaf alle beieinander haben will, dann ist das doch ein tröstlicher Gedanke für uns uns Sünder.
    Wetten, du predigst genau das? *grins*

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  2. Nöööö :-P
    Ich habe doch gesagt, dass Sünde darin nicht vorkommt.
    Ich predige es anders. Aber dein Gedanke, dass wir manchmal etwas vermissen ist gut.

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  3. wie war die Probepredigt vor den KollegInnen?

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  4. Sie kam gut an. Alle waren positiv überrascht von mir.
    Problematisch war, das was der eine kritisierte, fand der andere richtig gut.
    Der Dozent hat an einer Stelle etwas zu bemängeln gehabt: Er hat es nicht verstanden.
    Der Pastor bei dem ich predige, hat die Hinführung zum Schluss nicht so gefallen, die war ihm zu unlogisch.

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  5. Die Predigt war gut. Die Gemeinde war sehr angetan von ihr.
    An meinem Silbenverschlickungsproblem muss ich weiter arbeiten.

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  6. So ungefähr hab ich das schon vermutet. Du kannst uns die Predigt am Freitag noch mal halten ... vll ... wenn uns das mit dem Leben nach dem Tod bis dahin nicht umgehauen hat.

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