Sonntag, 8. April 2012

Osterlachen und Zivilcourage

Lamm_mit_fahne
Es gab mal die Tradition des Osterlachens. Da war es den Predigern wichtig, dass sie ihre Schäfchen zu einem befreiten Gelächter animieren konnten. Natürlich war das nie die ganze Predigt. Auch in der vergangenen Nacht bestand nicht die ganze Predigt aus dem Turiner Grabtuch, aber es wird das sen, woran sich alle erinnern. Es wurde gepredigt, es sei durch wissenschaftliche Experimente erwiesen, dass dies das Tuch Jesu sei und dass er in eine andere Seinswirklichkeit aus dem Tuch heraus transformiert wurde. Das sind meine Worte, aber der Inhalt stimmt. Beamen war das erste Wort, das mir einfiel.

Niemand hat gelacht. Erst hinterher im Gemeindesaal haben wir uns herzlich amüsiert.

Man kann schlecht etwas von der Kanzel herab behaupten, was sich leicht per Internet widerlegen lässt. Andererseits: wer wird wohl heute im Internet nach Fakten suchen, um den Inhalt der Predigt besser verstehen zu können?

Wir haben im Bistum Essen einen Dialogprozess. Oft ist es schwer, einen solchen Dialog überhaupt anzustoßen und ihn dann in Gang zu halten. Die Gerüchte um das kommende neue Gotteslob, die Pfarrerinitiative in Österreich, die gesellschaftlichen Entwicklungen und jetzt diese Predigt. Abgesehen von Zivilcourage bedarf es auch einer Berufung, bevor unsereins den Mund aufmacht und Stellung bezieht und dabei Kopf und Kragen riskiert. Wer nichts riskiert, ist längst aus der Kirche raus.

Letzte Nacht am Osterfeuer habe ich mal die Menge der Menschen überblickt und verglichen mit der tatsächlichen Anzahl unserer Gemeindemitgliedern. Wir haben eine intensive, feierliche Messe erlebt. Wir sind aber auch aneinander vorbeigegangen und haben nur denen ein frohes Osterfest gewünscht, denen wir es wünschen wollten. Dabei sind wir, so wie wir da gefeiert haben, nur noch ein kleines Häufchen.

Das Grab ist leer. Das ist die Botschaft. Die befreit. Wozu?

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