Samstag, 31. März 2012

Sprechen müsste man können - wahrnehmen und mitteilen

Baumbrucke
Wir müssen auch in unserer Kirche Veränderungen ... in Kauf nehmen? Ist das die richtige Formulierung?

Grade beantwortete der Chaos Computer Club einen öffentlichen Brief von Tatort-Drehbuchautoren zum Urheberrecht. Brief und Antwort bringen das Dilemma zur Sprache: die Zeiten sind unsicher. Nicht, weil wir nicht auf die Straße gehen könnten. Aber die Näher meiner Jeans können nicht auf die Straße gehen. Nicht, weil wir hungern. Aber die Bananenpflücker können nicht auf die Straße gehen. Auch der Umgang der FDP mit Schlecker macht das Dilemma deutlich: wir können uns heute nicht mehr auf Zuständigkeiten verlassen und auch nicht mehr darauf berufen. Wer hat das nicht schon erlebt, dass jemand sagte "Ich bin nicht zustädig" (die FDP ist nicht zuständig, eine Auffanggesellschaft wäre ihrer Meinung nach auch nicht zuständig, aber die Agentur für Arbeit) und den Bittenden/Fragenden ratlos ließ.

Jetzt erstmal CCC und den Tatortautorenbrief lesen.

Das Parteiprogramm der Piraten wird belächelt. Wer genau hinsieht, sieht ein verkrampftes Lächeln. Denn die Piraten trauen sich, eine Partei mit lebendigen Menschen zu sein. Sind sie gegen die Kirche? Wie stehen sie zum Thema Gleichberechtigung von Mann und Frau? Bei den Piraten musst du dein Thema einbringen und wenn du überzeugst, kann was draus werden. Das sind wir nicht gewohnt. In der Regel werden Beschlüsse gefasst und man kann in Protokollen nachlesen, was wichig ist. Aber jetzt ist das wichtig, was zur Sprache kommt. denn wer weiß schon, wo es hin geht? Wer glaubt denn noch, dass Sicherheit, Wohlstand, Gesundheit und solche materiellen Güter Ziel unserer Politik sein sollen? Was uns beschäftigt ist Urheberrecht, Würde, Pluralität der Kulturen - solche Themen.

Da werden wir schon miteinander sprechen müssen, wenn wir weiter kommen wollen. Briefe schreiben. Bilder malen. Lieder singen. Feste feiern.

Sprechen ist nicht an Sprache gebunden, sondern an die Fähigkeit, sich dem anderen mitzuteilen. Man kann also auch zeichnen. Singen kann man auch. ... Die Etablierten lächeln verkrampft. Sie wären so gern überlegen. Aber in Zeiten der Veränderung kommt es nicht auf das Establishment an. Das hat bloß die Machtmittel.

Im 21. Jahrhundert steht die Heilige Schrift des Christentums mitsamt einer Unmenge an Literatur zu Kirchengeschichte, Liturgie, Schriftauslegung ... allen zur Verfügung. Es gibt Filme darüber. Es gibt Veranstaltungen, Telefonnummern, E-Mail-Adressen, Seiten bei facebook und Google+. Grade hier zeigt sich, dass die Heilige Schrift ein Medium ist, dass den Dialog oder besser noch die Gemeinschaft der Glaubenden oder auch der Suchenden verlangt. Mit Rechtgläubigen und Besserwissern können wir nichts anfangen. Belehren lassen müssen wir uns nicht. Wir können einander mitteilen, was uns gut tut und was wir verstanden haben. Im Gespräch lernen wir voneinander und wir lernen, wie wir einander vertrauen können. Auf diesen Wegen wird dann schonmal eine Internetpräsenz verboten, wenn es sich zeigt, dass sie Moral und Ethik einer pluralen Welt nicht verstanden hat und den Suchenden in die Irre führt. Dank an den Staat, dass er das leistet.

Wir irren uns, aber wir suchen weiter.
Wir sprechen miteinader, auch wenn wir in Streit geraten sind.
Wir sind alle Menschen, alle.
Wir Katholiken haben das Lehramt, was nicht heißt, dass jeder Katholik alles verstanden hätte. Darum gibt es Gemeinden.
Wir gehören zueinander, wir Menschen, weil wir alle suchen, erkennen, irren - was wir einander schuldig bleiben, ist die Liebe.

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